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Marco Gundlach

Vibe Coding vs. klassische Entwicklung: Was Entscheider wissen müssen

Marco Gundlach··4 Min. Lesezeit·Vibe Coding
Vibe Coding vs. klassische Entwicklung: Was Entscheider wissen müssen

Seit Vibe Coding ein Begriff geworden ist, werde ich in Beratungsgesprächen regelmäßig gefragt: "Können wir damit unsere Entwicklungskosten senken?" Manchmal lautet die ehrliche Antwort: Ja. Manchmal: Nein. Und manchmal: Das kommt darauf an.

Was ich in diesem Artikel auseinanderhalte, ist kein technischer Vergleich für Entwickler. Es ist ein Entscheidungsrahmen für Führungskräfte und Projektverantwortliche.

Was klassische Entwicklung kostet

Ein mittelständisches Unternehmen, das ein internes Werkzeug oder eine kleine Webanwendung entwickeln lassen will, sollte mit folgenden Richtwerten rechnen: Ein erfahrener freiberuflicher Entwickler kostet zwischen 700 und 1.200 Euro pro Tag. Eine Software-Agentur oft mehr. Für ein einfaches System mit Datenbankanbindung und einer Oberfläche kommt man selten unter zehn bis zwanzig Tage Entwicklungsaufwand, also 7.000 bis 24.000 Euro, ohne Pflege und Weiterentwicklung.

Das ist nicht zu viel, wenn das System wirklich gebraucht wird und die Anforderungen klar sind. Es ist zu viel, wenn man nicht sicher ist, ob die Idee in der Praxis funktioniert.

Klassische Entwicklung braucht außerdem Zeit: Briefing, Konzeption, Entwicklung, Testing, Feedback, Anpassung. Von der ersten Besprechung bis zur produktiven Version vergehen oft sechs bis zwölf Wochen, in vielen Unternehmen länger.

Was Vibe Coding in der Praxis wirklich leistet

Mit einem KI-Tool wie Claude, Cursor oder v0.dev lässt sich ein erster Prototyp für einfache Anwendungen in zwei bis acht Stunden bauen. Für Werkzeuge, die intern genutzt werden, keinen hohen Sicherheitsanforderungen unterliegen und einen klar begrenzten Scope haben, ist das oft ausreichend.

Das bedeutet: Wenn Sie testen wollen, ob eine Idee in der Praxis funktioniert, bevor Sie in klassische Entwicklung investieren, ist Vibe Coding eine sehr sinnvolle Option. Wenn Sie ein System brauchen, das dauerhaft produktiv läuft, von mehreren Teams genutzt wird und wächst, ist Vibe Coding ein möglicher Ausgangspunkt, aber kein Endpunkt.

Vier Fragen für die richtige Entscheidung

Ich stelle in Beratungsgesprächen immer vier Fragen, bevor ich eine Empfehlung gebe.

Erstens: Wie klar sind die Anforderungen? Wenn Sie heute noch nicht wissen, wie das System in drei Monaten genutzt werden soll, investieren Sie das Budget besser in einen Prototypen statt in klassische Entwicklung. Vibe Coding macht es möglich, Anforderungen zu klären, indem man etwas baut und beobachtet, wie es genutzt wird.

Zweitens: Wie sicherheitskritisch ist das System? Alles, was mit Kundendaten, Finanzdaten oder produktionskritischen Prozessen zu tun hat, braucht eine strukturierte Entwicklung mit Tests, Reviews und klarer Verantwortung. Hier ist Vibe Coding nicht der richtige Ansatz.

Drittens: Wer pflegt das System danach? Vibe Coding erzeugt Code, den man warten muss. Wenn niemand im Unternehmen in der Lage ist, kleinere Anpassungen vorzunehmen oder Fehler zu beheben, entsteht früher oder später ein Wartungsproblem.

Viertens: Welche Lebensdauer planen Sie ein? Für ein System, das sechs Monate läuft und dann ersetzt wird, ist Vibe Coding oft die richtige Wahl. Für ein System, das fünf Jahre im Einsatz sein soll und kontinuierlich weiterentwickelt wird, lohnt sich von Anfang an eine saubere Architektur.

Was wirklich passiert, wenn man den falschen Ansatz wählt

Ich habe beide Fehler beobachtet.

Unternehmen, die für ein internes Tool ein größeres Entwicklungsprojekt beauftragen, obwohl die Anforderungen noch unklar waren: Sie bekommen nach drei Monaten etwas geliefert, das formal den Anforderungen entspricht, aber in der Praxis nicht so genutzt wird, wie ursprünglich gedacht. Und es fehlt das Budget für Anpassungen.

Auf der anderen Seite: Unternehmen, die per Vibe Coding ein System für den produktiven Einsatz gebaut haben, ohne die Grundlagen zu klären. Sechs Monate später läuft das System noch, aber niemand traut sich mehr, daran zu rühren, weil kein Mensch versteht, wie es zusammengebaut ist.

Beide Szenarien sind teuer. Und beide sind vermeidbar.

Der sinnvolle Mittelweg

Was ich in der Praxis empfehle: Nutzen Sie Vibe Coding für die erste Version. Klären Sie damit, ob das System die richtigen Probleme löst und wie es tatsächlich genutzt wird. Wenn der Prototyp drei Monate lang täglich eingesetzt wird und die Nutzenden mehr Funktionen wollen, dann ist das der richtige Zeitpunkt für klassische Entwicklung.

So vermeiden Sie, 15.000 Euro in etwas zu investieren, das am Ende in der Schublade bleibt. Und Sie haben für das Entwicklungsgespräch einen konkreten Prototypen mit echten Nutzungsdaten, was jede Planung deutlich einfacher macht.

Vibe Coding gezielt einsetzen

Wenn Sie in Ihrem Team verstehen wollen, wann Vibe Coding geeignet ist und wie man es sinnvoll einsetzt, besprechen wir das in meinem 2-Tage-Training. Wir schauen uns konkrete Anwendungsfälle aus Ihrem Unternehmen an und klären gemeinsam, was sich damit umsetzen lässt und was nicht. Mehr dazu auf der Trainingsseite.

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