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Marco Gundlach

Was ist Vibe Coding? Ein ehrlicher Überblick für Unternehmen und Teams

Marco Gundlach··4 Min. Lesezeit·Vibe Coding
Was ist Vibe Coding? Ein ehrlicher Überblick für Unternehmen und Teams

Vibe Coding taucht gerade überall auf: in Entwicklerforen, auf LinkedIn, in Startup-Blogs. Dabei beschreibt der Begriff im Kern etwas, das viele Teams schon seit Monaten tun: Sie beschreiben einem KI-System auf natürliche Sprache, was sie bauen möchten, und lassen sich den Code weitgehend generieren. Kein stundenlanges Schreiben von Hand, sondern prompten, reviewen, weiteriterieren.

Das klingt nach einer Revolution. Manchmal ist es das. Manchmal führt es auch auf beeindruckende Weise in die Irre.

Was genau passiert beim Vibe Coding

Der typische Ablauf sieht ungefähr so aus: Du öffnest ein KI-Tool wie Claude, Cursor oder v0.dev, beschreibst was du bauen willst, und bekommst Code zurück. Du schaust ob es funktioniert, beschreibst was noch fehlt oder falsch ist, und bekommst eine überarbeitete Version. Dieser Zyklus wiederholt sich, bis etwas Brauchbares entstanden ist.

Für überschaubare Anwendungen funktioniert das erstaunlich gut. Ein Landing-Page-Prototyp, ein Formular mit Datenbankanbindung, ein einfaches Dashboard, eine kleine API, die Daten aus zwei Quellen zusammenführt. Was früher einen halben Tag Entwicklungsarbeit bedeutete, lässt sich damit in 30 bis 90 Minuten aufbauen.

Was nicht so gut funktioniert: komplexe Geschäftslogik mit vielen Ausnahmen, Integrationen in bestehende Systeme mit viel gewachsenem Code, und alles, was hohe Sicherheitsanforderungen hat.

Der größte Fallstrick: Vertrauen ohne Verständnis

Wer den generierten Code nicht lesen kann, kann auch nicht beurteilen, ob er korrekt, sicher und wartbar ist. KI-Systeme produzieren Code, der aussieht als würde er funktionieren, bis klar wird, dass er es nicht tut. Das passiert nicht immer, aber oft genug, um es ernst zu nehmen.

Ich habe Unternehmen begleitet, die Vibe Coding als Abkürzung genutzt haben und damit in Schwierigkeiten geraten sind. Nicht weil das Tool schlecht war, sondern weil niemand den Output bewertet hat. Der Code funktionierte, war aber nicht wartbar. Keine Dokumentation, keine Tests, inkonsistente Struktur. Ein halbes Jahr später wollte jemand eine Kleinigkeit ändern und brauchte dafür drei Tage, weil niemand mehr verstand, wie das System zusammenhing.

Das ist kein Argument gegen Vibe Coding. Es ist ein Argument dafür, den Output zu bewerten und nicht blind zu akzeptieren.

Was Vibe Coding nicht leistet

Vibe Coding ersetzt keine Softwareentwicklung. Das ist keine pessimistische Einschätzung, sondern eine genaue.

Gute Software braucht Architekturentscheidungen, die sich auf Monate und Jahre auswirken. Sie braucht Datenbankmodelle, die skalieren. Sie braucht Sicherheitsüberlegungen, die von Anfang an mitgedacht werden. Sie braucht Tests, die Fehler auffangen, bevor sie beim Kunden ankommen. Und sie braucht jemanden, der versteht, was gebaut wird, und die Verantwortung dafür übernimmt.

Nichts davon löst ein KI-System von alleine. Was es tut: Es senkt die Hürde erheblich, einen ersten funktionierenden Prototypen zu bauen. Und das ist mehr als nichts.

Wo Vibe Coding in Unternehmen echten Wert schafft

Ich begleite Mittelständler beim Einsatz von KI, und Vibe Coding taucht inzwischen regelmäßig in Gesprächen auf. Nicht weil die Geschäftsführung plötzlich selbst entwickeln möchte, sondern weil Teams merken, dass sie bestimmte interne Werkzeuge selbst bauen können, ohne auf die IT-Abteilung zu warten.

Ein Beispiel: Ein Vertriebsteam wollte ein kleines Tool, das aus eingehenden Anfragen automatisch eine Zusammenfassung erstellt und nach Priorität sortiert. Zu klein für ein IT-Ticket, zu groß für eine Excel-Tabelle. Mit Vibe Coding war das an einem Nachmittag fertig.

Das ist der Bereich, wo Vibe Coding echten Nutzen bringt: interne Werkzeuge, Prototypen, Einzel-Anwendungen mit klarem, begrenztem Scope. Keine Infrastruktur, keine komplexe Integration, kein Hochsicherheitsumfeld.

Wie man sinnvoll anfängt

Fangen Sie mit einem kleinen, echten Problem an. Etwas, das Sie oder Ihr Team heute manuell machen und das klar begrenzt ist. Nicht "wir automatisieren unseren gesamten Support", sondern "wir wollen aus eingehenden E-Mails Absender, Betreff und Kernaussage automatisch extrahieren".

Nutzen Sie ein Tool und beschreiben Sie Ihr Problem so konkret wie möglich. Je präziser die Aufgabe, desto besser das Ergebnis. Und bevor Sie das Ergebnis produktiv einsetzen: Lassen Sie jemanden mit technischem Hintergrund kurz draufschauen. Nicht um alles zu prüfen, sondern um die offensichtlichsten Probleme zu finden.

Vibe Coding ist ein Werkzeug. Für manche Aufgaben ist es das richtige. Den Unterschied zu kennen, ist der eigentliche Skill, nicht das Prompting selbst.

Vibe Coding praktisch erlernen

Wenn Sie Vibe Coding in Ihrem Team einsetzen und verstehen möchten, was damit in Ihrem Unternehmen wirklich möglich ist, behandle ich das Thema in meinem 2-Tage-Training. Wir arbeiten mit echten Anforderungen aus Ihrem Alltag, und Sie verlassen das Training mit einem fertigen Prototypen. Mehr dazu auf der Trainingsseite.

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